Beschattung fürs Terrassendach: Markise oben oder unten montieren?
Veröffentlicht am 13.09.2026
Wer ein Terrassendach mit Glaseindeckung oder Alu-Flachdach plant oder bereits besitzt, stößt fast zwangsläufig auf die Frage nach der richtigen Beschattung. Kommt die Markise auf das Dach oder darunter? Diese Entscheidung wirkt auf den ersten Blick wie eine reine Geschmacksfrage, ist aber technisch relevant. Sie beeinflusst, wie heiß es unter dem Dach im Sommer wird, wie oft Sie die Markise bei Wind einfahren müssen und wie viel Sie am Ende bezahlen.
Eine pauschale Antwort gibt es nicht. Die richtige Lösung hängt von der Dachkonstruktion, der Ausrichtung zur Sonne, der Windexposition Ihres Grundstücks und Ihrem Budget ab. Dieser Ratgeber zeigt Ihnen die Unterschiede beider Montagearten, nennt Kosten als Spannen und erklärt, worauf Sie bei Statik und Genehmigung achten sollten.
Zwei Montagearten mit unterschiedlicher Wirkung
Bei der sogenannten Aufdachmarkise liegt das Beschattungssystem oberhalb der Dachfläche, meist bei Glasdächern. Die Markise fährt schräg über das Glas und blockt die Sonne, bevor sie überhaupt auf die Scheibe trifft. Bei der Unterglasmarkise oder Markise unten hängt das System an der Unterkonstruktion, also innerhalb des überdachten Bereichs, unterhalb des Glases oder der Aluplatten.
Der Unterschied klingt banal, hat aber Folgen für die Physik des Systems. Eine Markise, die über dem Glas liegt, verhindert, dass sich die Luft zwischen Dach und Terrassenboden überhaupt erst aufheizt. Eine Markise unter dem Dach schattiert zwar die Sitzfläche, das Glas darüber heizt sich aber trotzdem auf und gibt Wärme nach unten ab.
Die Aufdachmarkise: Beschattung von oben
Diese Variante wird meist zusammen mit einem Glasdach verkauft oder nachgerüstet, wenn der Hitzestau unter Glas zum Problem wird. Sie liegt sichtbar auf der Dachfläche und lässt sich in der Regel elektrisch aus- und einfahren.
- Reduziert die Aufheizung des Glasdachs deutlich, da die Sonnenstrahlung gar nicht erst auf die Scheibe trifft
- Sorgt für spürbar kühlere Temperaturen unter dem Dach an heißen Tagen
- Ist der Witterung stärker ausgesetzt und muss bei Wind oder Starkregen häufiger eingefahren werden
- Erfordert meist eine stabilere Unterkonstruktion, da zusätzliche Windlast auf das Dach wirkt
- Ist in der Anschaffung in der Regel teurer als eine Unterglaslösung
Wer viel Wert auf ein angenehmes Raumklima unter dem Terrassendach legt und das Glasdach vor allem als Regenschutz nutzt, fährt mit dieser Lösung meist besser. Der Aufpreis rechnet sich vor allem bei südlich oder westlich ausgerichteten Terrassen mit voller Sonneneinstrahlung am Nachmittag.
Die Unterglasmarkise: Beschattung von unten
Hier hängt die Markise unterhalb der Dachkonstruktion und schattiert direkt die Sitzfläche. Diese Lösung ist konstruktiv einfacher, oft auch nachträglich montierbar, wenn bereits ein Terrassendach ohne Beschattung steht.
- Geschützter vor Wind, da die Konstruktion nicht der vollen Windlast auf dem Dach ausgesetzt ist
- Lässt sich in vielen Fällen länger ausgefahren lassen, auch bei böigem Wetter
- In der Anschaffung meist günstiger als eine Aufdachlösung
- Schützt nicht vor der Aufheizung des Glasdachs selbst, die Wärme staut sich zwischen Glas und Markise
- An sehr heißen Tagen bleibt es unter dem Dach trotz Beschattung spürbar wärmer als bei einer Aufdachmarkise
Diese Variante eignet sich gut, wenn in erster Linie Blendschutz und Sichtschutz gefragt sind, weniger die komplette Reduktion der Hitze. Bei Aluminium-Flachdächern ohne Glasanteil ist sie ohnehin die einzig sinnvolle Option, da es kein Glas gibt, das sich aufheizen könnte.
Lamellendach als dritte Option
Neben der klassischen Markise gibt es die Möglichkeit, statt eines festen Glasdachs oder zusätzlich zu einer Terrassenüberdachung ein motorisiertes Lamellendach aus Aluminium einzusetzen. Die Lamellen lassen sich stufenlos verstellen, von komplett geschlossen bis vollständig geöffnet.
Der Vorteil liegt in der Robustheit: Aluminiumlamellen unterliegen keinem Stoffverschleiß, sind bei richtiger Statik deutlich winddichter als eine Markise und lassen sich mit Regensensoren koppeln, die bei Niederschlag automatisch schließen. Der Nachteil ist der Preis, der über dem einer klassischen Markisenlösung liegt, sowie der höhere Wartungsaufwand bei der Mechanik.
Für Terrassen, die stark der Witterung ausgesetzt sind, etwa an exponierten Lagen mit häufigem Wind, ist ein Lamellendach oft die langlebigere, wenn auch teurere Alternative zur textilen Markise.
Statik und Genehmigung: das sollten Sie vorher klären
Jede zusätzliche Beschattung erhöht die Windlast auf die Dachkonstruktion, besonders bei der Aufdachvariante. Bevor Sie sich für ein System entscheiden, sollte ein Fachbetrieb prüfen, ob die vorhandene oder geplante Unterkonstruktion die zusätzliche Last trägt. Das betrifft vor allem Pfostenquerschnitte, Verankerung im Boden und die Schneelastzone Ihrer Region.
Ob eine Baugenehmigung nötig ist, hängt vom Bundesland, der Größe der Anlage und teils von der Nähe zur Grundstücksgrenze ab. Bei nachträglich montierten Markisen an bestehenden Terrassendächern ist häufig keine gesonderte Genehmigung erforderlich, das sollten Sie aber im Einzelfall mit dem zuständigen Bauamt und dem ausführenden Betrieb klären, bevor Sie eine Bestellung aufgeben.
Kosten im Überblick
Verlässliche Preise lassen sich nur über einen konkreten Angebotsvergleich ermitteln, da Breite, Ausfahrlänge, Motorisierung, Stoffqualität und Marke stark variieren. Als grobe Orientierung: Eine Unterglasmarkise kostet je nach Ausführung und Anbieter häufig zwischen 100 und 250 Euro pro Quadratmeter Beschattungsfläche. Eine Aufdachmarkise liegt je nach Windwiderstandsklasse und Antrieb meist zwischen 150 und 400 Euro pro Quadratmeter. Ein motorisiertes Lamellendach bewegt sich je nach Größe und Ausstattung häufig zwischen 400 und 900 Euro pro Quadratmeter.
Diese Spannen sind grobe Richtwerte und ersetzen keinen individuellen Kostenvoranschlag. Nur ein Vergleich mehrerer geprüfter Fachbetriebe vor Ort zeigt, was für Ihr konkretes Dach, Ihre Terrassengröße und Ihre Wunschausstattung tatsächlich anfällt.
Ablauf: So gehen Sie strukturiert vor
- Bestandsaufnahme: Dachtyp, Ausrichtung zur Sonne, Windexposition und vorhandene Unterkonstruktion prüfen
- Bedarf klären: Steht Hitzeschutz oder reiner Blendschutz im Vordergrund, wie oft wird die Terrasse genutzt
- Mindestens drei Angebote von geprüften Fachbetrieben einholen und Leistungsumfang genau vergleichen
- Vor-Ort-Termin vereinbaren, bei dem Statik und eventueller Genehmigungsbedarf besprochen werden
- Montagetermin festlegen und sich bei Übergabe in Bedienung, Wartung und Sensorik einweisen lassen
Praxistipps aus dem Alltag
- Beobachten Sie den Sonnenverlauf über einige Tage, bevor Sie sich festlegen, viele unterschätzen die Nachmittagssonne im Sommer
- Lassen Sie einen Windwächter nachrüsten, der die Markise bei Sturm automatisch einfährt, das schont die Mechanik
- Kombinieren Sie bei Bedarf eine Dachmarkise mit seitlichen Screens gegen tief stehende Sonne am Abend
- Planen Sie regelmäßige Wartung ein, besonders bei Aufdachlösungen, die stärker der Witterung ausgesetzt sind
- Fragen Sie beim Angebotsvergleich gezielt nach der Windwiderstandsklasse, sie sagt mehr über die Haltbarkeit aus als der reine Preis
Die Entscheidung zwischen Markise oben oder unten hängt letztlich von Ihrem Dachtyp, Ihrer Sonnenlage und dem, was Ihnen wichtiger ist: maximaler Hitzeschutz oder ein günstigerer Einstiegspreis mit etwas mehr Restwärme unter dem Dach. Holen Sie sich für Ihre konkrete Situation Angebote von mehreren geprüften Fachbetrieben ein und lassen Sie die Statik vor Ort prüfen, bevor Sie sich festlegen.